Kennt ihr noch … „The Giver“?

Dystopien als Pflichtlektüre

Pflichtlektüre in der Schule war meistens schon dadurch, dass sie Pflicht war, langweilig und ermüdend. Ich erinnere mich an „Kabale und Liebe“, „Macbeth“ (wozu wir sogar einen Monolog vortragen mussten), „Heat and Dust“ und auch „The Giver“.

Am Ende haben mich damals nur wenige der Bücher beeindruckt, im Rückblick waren einige Titel aber durchaus spannend und toll geschrieben.

„The Giver“ zählte zu den „Dystopias“ im Englischunterricht und war neben „Brave New World“ für mich ein interessantes Thema. Noch heute gefallen mir dystopische Geschichten, die Zukunftsmusik malen oder die Welt untergehen lassen. Und mal ehrlich: So abwegig ist es gar nicht mehr. Ich bin beeindruckt, was Orwell damals schon wusste. Da dieser Vorausblick aus „1984“ in Teilen wahr geworden ist und wir dazu in ständigem Wandel und Einfluss technischer Neuerungen leben, ist es nicht überraschend, dass Dystopien aktuell neue Beliebtheit gewinnen. „Tribute von Panem – The Hunger Games“, „Die Bestimmung“ und die Verfilmung von „Hüter der Erinnerungen“ (The Giver) waren in den letzten Jahren im Kino zu sehen. Die Bücher sollten dabei natürlich im Zentrum stehen und nicht die Verramschung der Themen durch Explosionen, Liebesverwirrungen und Intrigen, die so gern im Film dazugedichtet werden. Dabei ist „Die Bestimmung“ ein gutes Beispiel dafür, dass man lieber zu den  Büchern greifen sollte, als die Filme anzusehen, auch wenn Teil 1 noch ganz erträglich war.

Worum geht’s in „The Giver“?

Jonas‘ Gesellschaft lebt ohne Farben, Gefühle oder Musik. Die Menschen funktionieren durch Medikamente ohne Neid, Machtgier oder Angst. So eine Gesellschaft aufzubauen, die ohne Streit, Krieg und Kummer auskommt, ist in Jonas‘ Welt vollkommen normal und niemand hinterfragt diese Tatsache. Kinder werden beantragt und zugeteilt, Partner werden nach den besten Eigenschaften zusammengeführt und Jugendliche erhalten mit 12 Ihren zukünftigen Beruf – von den Ältesten anhand der jeweiligen Persönlichkeit ausgewählt. Danach hören die meisten oft auf, sich ihr Alter zu merken. Die Alten werden „freigegeben“, was so viel heißt wie, sie gehen ins Paradies.

Jonas gehört zu den Zwölfern und steht kurz vor der Zeremonie, in der er erfährt, was seine Lebensaufgabe sein wird. Seine Eltern haben gerade ein neues Kind erhalten, Gabriel, das, so wie Jonas, blaue Augen hat. Sehr selten, denn die meisten Menschen sind genetisch soweit angepasst, dass sie beinahe alle dunkle Augen haben. Dies liegt vielleicht an der gleichen, ihnen unbekannten „Birthmother“ von Jonas und seinem Bruder.

Es gibt Berufe wie Nährer, Sprecher, Wissenschaftler, Jurist. Bei der Zeremonie erfährt Jonas, dass er der „Hüter“ wird. Dies ist eine sehr besondere Aufgabe, die wichtigste der Gesellschaft. Die vorige potenzielle Nachfolgerin des aktuellen Hüters ist verschwunden und niemand weiß offiziell, was mit ihr geschah. Jonas wird mitgeteilt, dass seine Aufgabe schwierig und schmerzhaft sein kann – er wird mit Gefühlen und Erinnerungen anderer konfrontiert, die ihm langsam klarmachen werden, welche Opfer diese Art von Leben fordert.

Er erhält neue Regeln, die vom System abweichen und nur für ihn gelten: Er darf nicht mehr über seine Träume reden, niemandem etwas von seinem Training erzählen, er darf der Regierung alle Fragen stellen, die er möchte. Er darf lügen. Nach und nach führt der Hüter Jonas in seinen neuen Alltag ein. Nur er erhält diese Erinnerungen und er darf mit niemandem sprechen. Und langsam wird ihm klar: Alle sind gleich und gefühllos, weil das System mit Gefühlen niemals funktionieren würde. Menschen sterben nicht mehr auf natürliche Weise, sie werden beim „Freigeben“ durch eine Giftspritze getötet. Jonas‘ Vater gibt ein Neugeborenes frei, indem er eine Spritze in seine Stirn setzt. Für ihn ist es der normale Freigebungsprozess, aber für Jonas eine erschreckende Erkenntnis. Er möchte seinen Bruder Gabriel aus dieser Welt retten. Der Hüter hat eine Idee, wie.

Wie war’s?

„The Giver“ ist kein langes Buch, es ist eine kurze Geschichte, die Louis Lowry für Kinder schrieb. Aber auch für Erwachsene ist diese Geschichte spannend und einfallsreich. Ich finde, dass sie noch heute Grübel-Potenzial hat und vor allem kann sich jeder damit identifizieren. Was wäre, wenn die Welt, an die du glaubst, eine schreckliche Tarnung wäre?

Diesem Vorbild folgend erschienen Filme wie „Equlibrium“ oder „Die Insel“, aber auch die schon erwähnte Trilogie „Die Bestimmung“ weist Parallelen zu Lowrys Geschichte auf. Daher rate ich auf jeden Fall zur Lektüre von „The Giver“, das man an ein bis zwei Tagen durchlesen kann und danach über die Welt mit all ihren Farben und Melodien nachsinnen kann.

Bibiografische Angaben

Cover englische Version The Giver / schoeneneuegeneration.com
Cover englische Version The Giver, (c) Ernst Klett Sprachen
Cover Hüter der Erinnerungen dtv pocket / schoeneneuegeneration.com
Cover Hüter der Erinnerungen (c) dtv pocket

Titel: The Giver

Autor: Lois Lowry

Verlag: verschiedene Ausgaben von Klett, dtv (deutsch)

Preis: € 7,95 – € 9,99

Auch als E-Book erhältlich

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