Arbeiten in einem Rehabilitationszentrum in Afrika

Um den Beginn meiner Reise zu lesen, bitte hier schauen.

Nachdem mein Buschflug 3 Stunden verspätet gestartet ist, geht es endlich los nach Letsitele, wo das Riverside Wildlife Rehabilitation Centre seinen Sitz hat. Hier werden Primaten gepflegt, bis sie als Gruppe bereit sind, wieder ausgewildert zu werden.

Schon am Flughafen traf ich eine britische Mutter mit ihrer Tochter, die dasselbe Ziel hatten. Der Flug im 30-Mann-Flugzeug war überraschend angenehm und so gar nicht „buschflugmäßig“ wie man es sich immer vorstellt. Der kleine Flughafen von Phalaborwa beeindruckte uns mit seinem Lodge-Look. Das Wasser zum Händewaschen im Bad kam von unten als Sprinnbrunnen!

Wir wurden dort von einer Mitarbeiterin von Riverside abgeholt.

Ebenfalls eine Britin, die für ein paar Wochen kam und letztlich ein Jahr als Managerin blieb. Sie erzählte uns auf der einstündigen Autofahrt zum Center, wie sie sich in die Tiere und die Besitzer verliebte.

Durch unsere Verspätung konnten wir unsere Einführungs-Tour erst am nächsten Morgen um 7:00 Uhr machen. Zum Abendessen durften wir, wie immer im Camp, als Neuankömmlinge als erstes in der Schlange stehen. Es wird immer etwas vegetarisches angeboten, was für mich vorteilhaft war.

Es waren noch ca. 30 weitere Volontäre vor Ort, als wir ankamen. Aus allen möglichen Teilen der Welt: Deutschland, Holland, Großbritannien, Israel, Frankreich, Australien… Eine tolle Art, Menschen zu begegnen, denn wir alle sind nur wegen der Tiere da. Mir war eigentlich nicht so wichtig, wen ich vor Ort treffe, daher war es umso schöner, nette Bekanntschaften zu machen. Einige kamen aus freien Stücken, andere wurden (gerüchtehalber) von ihren Eltern gezwungen. Die besten Volontäre waren für mich Eltern, weil sie sofort anpacken und einfach machen. Als junger Mensch mit 18 ist man eben noch unselbstständiger, und das fiel mir hier sehr auf. Riverside hatte aber eine gute Art, die Gruppen aufzuteilen und jede Woche Teams mit Leadern zu bilden. So arbeitet jeder mal mit jedem und es entsteht eine gute Dymanik.

Bob, der Besitzer, hält jedes Mal, wenn Neuankömmlinge da sind, seine Rede. Ich merkte, wie die anderen Volontäre müde dreinschauten, als er seine Ansprache hielt. In der Woche darauf war mir klar, warum: Jeder muss eben eingewiesen und aufgeklärt werden und Bob übernimmt dies immer nach dem Abendessen. So hört jeder die Rede einige Male bei seinem Aufenthalt. Besser als gar nicht. Außerdem ist man spätestens nach dem Abendessen so müde, dass man bald ins Bett möchte.

Die Tage waren durchstrukturiert: 6:45 vor Ort sein, 7:00 anfangen zu arbeiten, 9:00 Frühstück, 12:00 Pavian Walk, 13:00 Mittag, 16:00 Feierabend. Dazwischen arbeitet man im Käfig, beim Futter machen, Aufräumen, Käfer fangen (ja, große Käfer), Babys füttern, Gras ernten. Man ist immer beschäftigt, aber auf so herrliche Weise, dass man einfach macht. Es ist eine tolle Abwechslung zum Leben hier, in dem man immer denken, planen, kalkulieren und erreichbar sein muss. Man tut hier Dinge, die einem Zuhause nicht einfallen würden – wie Heuschrecken mit bloßer Hand zu fangen, weil sonst das Bush Baby kein Futter hat. Oder jeden Tag denselben Käfig von neuem zu putzen, von oben bis unten. Weil er eben jeden Tag wieder dreckig ist. Aber ich fand es toll.

In Riverside gibt es Steppenpaviane und Meerkatzen. Außerdem leben dort noch Esel, Gänse, Strauße, ein Papagei namens Drake, das Bush Baby und einige Hunde, die u.a. als Geleitschutz dienen. Die Schlafhäuser sind einige hundert Meter entfernt vom Hauptgelände. Nachts darf man nicht alleine gehen, weil es gefährliche Tiere wie Skorpione und Nilpferde gibt. Daher sind die Hunde darauf trainiert, immer mit dem letzten zum Schlafhaus oder zur Arbeit zu gehen.

Nach dem Abendessen setzen sich die Volontäre noch am Lagerfeuer zusammen.

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Das Highlight war immer der „Baboon walk“ um 12:00 Uhr. Die jungen Paviane sind beim ersten Besuch ziemlich ruppig, springen grob auf den Kopf, ziehen an den Haaren, und machen gefühlt alles, aber auch alles schmutzig. Man ist komplett verdreckt, wenn man aus dem Käfig „Monti“ kommt, in den man immer hinein darf, um die Tiere kennenzulernen. Aber nach den ersten Walks fängt man an, die Tiere anders zu sehen und sie zu erkennen und einzuschätzen. Man versteht, was sie tun und wie sie sich in einer Gruppe verhalten. Sie bleiben alle zusammen, daher können die Volontäre auch mit ihnen spazieren gehen. Keiner läuft alleine davon. So ist man am Ende seines Aufenthalts Teil der Gruppe und möchte eigentlich nicht mehr alleine nach Hause.

Man merkt irgendwann, ob man ein Pavian- oder Meerkatzentyp ist, wobei gesagt wird, Paviane sind wie Hunde und Meerkatzen wie Katzen. Ich dachte, mir würden die Meerkatzen mehr gefallen, aber letztlich bin ich ein Pavian-Fan geworden.

Noch eine Aufgabe der Volontäre ist das Monitoring. Man beobachtet einen Affen und notiert alle 2 Minuten, was er macht. So können die Manager einschätzen, ob sich alle Tiere normal verhalten. Ziel ist es hier, die Tiere auszuwildern. Sie kommen, je nach Größe, Alter und Verhalten in ein größeres Gehege, wenn sie soweit sind. Das letzte ist die „Semi wild“, in der sie gar keinen Menschenkontakt mehr haben und fast wild leben. Riverside hatte vor einigen Wochen 96 Tiere in die Wildnis entlassen. Dort werden sie weiterhin beobachtet, um zu prüfen, ob die Auswilderung erfolgreich war.

Als ich und zwei Volontäre Paviane in der „Semi Wild“ beobachteten, fanden wir uns auf einmal neben wilden Pavianen wieder. Die gibt es natürlich auch und sie sind nicht, wie die Tiere im Center, gepohlt, die Zäune zu meiden. Wilde Meerkatzen sind in Ordnung und tun außer Futter klauen nicht viel. Aber Paviane… Sie können in das Gehege eindringen und die Paviane zum Kampf herausfordern. Wir waren reeeelativ panisch, als zwei ausgewachsene Exemplare außerhalb des Käfigs auftauchten. Eigentlich hatten wir Todesangst, vor den Schreien und ihren Zähnen, und wir hatten gar keine Ahnung, was man tun soll. Letztlich haben wir uns korrekt verhalten, sie ignoriert und uns langsam weg bewegt. Aber so viel Angst hatte ich schon lange nicht mehr.

Noch ein Highlight waren die Babys Olive und Tygga. Wenn man im Team „Baby Kitchen“ ist, gibt es zwei Personen, die sich den ganzen Tag nur um die Babys kümmern. Sie brauchen permanent ihr Fläschchen, Zuwendung und Aufsicht, damit sie nichts blödes anstellen. Aber sie sind so süß! In meiner zweiten Woche, hat mich Olive so geliebt, dass sie ab und zu von ihrer Tagesmutter weglief und ächzend an meinem Bein klammerte. Die Geräusche, die sie machen, ihr Babygeruch und ihre Riesenaugen und -ohren entschädigen für alles. Auch für die evtl. schlaflose Nacht, wenn man die Nachtbox in seinem Schlafzimmer hat.

Diese Erfahrung empfehle ich jedem, der ein Herz für Tiere hat, aber auch allen, die einfach aus ihrem Alltag raus möchten und mal etwas anderes versuchen wollen.

Am Ende erhält jeder Volontär ein Zertifikat, denn Riverside ist eine offizielle Organisation.

Man sollte bei der Recherche solcher Projekte aber auf der Hut sein, es gibt auch einige schwarze Schafe. Ich bin froh, dass ich Big Jump Africa gefunden habe. Karin Kuschel hat selbst in Südafrika gelebt und kennt alle Projekte, die sie vermittelt. Sie konnte mir vorab genau sagen, was vor Ort gemacht wird und was man alles braucht. Vor Reiseantritt habe ich eine Check- und Packliste bekommen und außerdem ein Infosheet von Riverside. Bei allen Fragen kann man sie sofort kontaktieren. Eine tolle Leistung, die man in Anspruch nehmen sollte, gerade bei solchen Aktionen, die für Außenstehende undurchsichtig sein können. Einige sind im Internet auch so teuer, dass man erstmal 5 Jahre sparen kann, um dann Schildkröten in Puerto Rico zu retten. Das kann man tun, aber die Angebote der großen Agenturen sind meist überteuert. Und man muss sehr viel Vorarbeit leisten, um herauszufinden, welches Projekt gut ist und welches die Leute vielleicht nur verhökert. Big Jump Africa kann ich wärmstens empfehlen!

Ich und einige Volontäre überlegen, Riverside wieder zu besuchen. Wir ziehen in Erwägung, wieder freiwillig bei 35 Grad im Busch von Afrika Kohlköpfe zu hacken und Kot von Gittern abzukratzen. Und das soll schon was heißen.

2 Kommentare zu „Arbeiten in einem Rehabilitationszentrum in Afrika

Gib deinen ab

  1. Liebe Alena,
    vielen dank für Deinen tollen Bericht der Reise und des Aufenthaltes im Riverside. Ich fahre im Februar 2019 auch über Karin Kuschel dorthin und bin schon ganz aufgeregt.
    Karin Kuschel ist echt toll, sie erklärt alles ganz genau und so hat sich ein tolles Sicherheitsgefühl eingestellt, welches vorher durch Unbehagen und Angst vor Unbekanntem bestimmt war. Und Berichte wie Dein Blog tun ihr Übriges und so freue ich mich nun riesig.
    Es gibt, wie Du schon sagst, eine ganze Menge schwarze und teure Schafe….Habe ich auch festgestellt, aber nun ist alles in tollen trockenen Tüchern und ich bin reisefertig.

    Danke für Deinen Super Bericht!

    Ganz liebe Grüße von Katrin Plaschna aus Hamburg

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Katrin, danke für deinen Kommentar! Ich habe mich sehr darüber gefreut. Viel Spaß in Riverside, ich bin mir sicher, dass es dir gefallen wird! Es ist eine tolle Erfahrung und Leute wie Karin Kuschel sorgen dafür, dass solche Projekte auffindbar sind.
      Liebe Grüße aus Buxtehude 🙂

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