Charlotte Link – „Der Verehrer“ (Rezension)

Bei meinem Aufenthalt in einem Volunteer-Programm in Südafrika fand ich im Bücherregal eine alte Ausgabe von Charlotte Links Buch „Der Verehrer“.

Abgesehen davon, dass es nicht viel besseres gab, sah das Buch noch gut in Takt aus, sodass ich anfing zu lesen.

Der Klappentext klang zumindest vielversprechend:

„Als in einem Waldstück die Leiche einer erst kürzlich ermordeten jungen Frau gefunden wird, stehen die Polizei und die Angehörigen vor einem Rätsel. Denn die Frau galt seit sechs Jahren als spurlos verschwunden. Erst der Telefonanruf einer ehemaligen Urlaubsbekanntschaft liefert den ersten Anhaltspunkt für die Ermittlungen …“

Die Story springt zwischen zwei Handlungen hin und her – der Schwester der Ermordeten und einer Frau, Leona Dorn, die zunächst nichts mit den Geschehnissen zu tun hat. Sie muss einen Selbstmord mit ansehen: Eine Frau springt aus ihrer Wohnung genau vor Leonas Füße. Fast gleichzeitig erfährt man, dass Leonas Mann Wolfgang kurz davor ist, seine Frau für eine andere zu verlassen. Leona ahnt hiervon gar nichts und ist umso überraschter, als er sich trennt. So macht er Platz für neue Bekanntschaften in Leonas Leben, u.a. ihrem zukünftigen Freund, der viel zu perfekt wirkt und der zufällig noch der Bruder der Selbstmörderin ist.

Krimi oder Romanze?

Man kommt schnell in die Geschichte rein und das Buch liest sich flüssig. Die Namen der Figuren erinnern mich an einen deutschen Fernsehkrimi, Leona Dorn, Lydia, Robert, Bernhard, Wolfgang. Allerdings fand ich das Buch auf den ersten 200 Seiten so gar nicht krimihaft und ich fragte mich, wann es denn los geht. Oder war der Klappentext nur ein Lockmittel? Ich muss dazu sagen, dass ich eher ein Krimi-Wenigleser bin. Aber zunächst wirkt Leonas Geschichte wie eine plätschernde Liebesromanze, wobei sie der Männertraum schlechthin ist und sich gefühlt jede Männerfigur im Buch an sie ranmachen will. Es war keine langweilige Story, aber ein wenig Aktion hatte ich erwartet.

Die kam (erwarteterweise) auch, aber erst nach vielen Seiten. Unvorhersehbar war der weitere Verlauf nicht, eigentlich konnte man sich schon sehr früh denken, was passieren wird. Und so war es auch. Leicht enttäuscht nahm ich das Ende hin, zumal mir eine Freundin erzählte, dass man bei Charlotte Link Büchern nie weiß, wie es ausgeht. Hier schon, aber der Weg dahin war nicht schlecht. Auch die zweite Storyline nimmt Fahrt auf, ist gut gedacht und führt zur unvermeidbaren Konklusion – Wer der Mörder ist.

Gut gefallen hat mir die Familie von Leona. Man erhält viel Einsicht, erfährt Details und Charakterzüge von einigen Figuren. Das macht die Geschichte glaubhafter und authentisch. Wenn auch einige der Figuren etwas flach sind, kann man das Buch gut lesen und legt es auch erst weg, wenn man fertig ist.

Fazit

Spannende Idee, die sich in die Länge zieht und bei der die für mich eigentliche Hauptstory von Lisa, der Schwester der Ermordeten, etwas zu kurz kommt. Hier hätte ich gern mehr erfahren, auch vom Innenleben der Familie – wie fühlt man sich, wenn seine Schwester brutal im Wald ermordet wurde? Außer, dass sie sich jahrelang nicht mehr gemeldet hat und sich dadurch das Verhältnis sehr abgekühlt hat, glaube ich nicht, dass man da keinen Schock erleidet. Die Figuren waren manchmal zu rational und unterkühlt für mich. Dies kann aber auch am allwissenden Erzähler liegen, der alles beleuchtet und nicht nur das Innenleben einer Figur. Die Story über Leona und ihrem Verehrer ist in Ordnung, aber vorhersehbar. Dennoch hat mich das Buch animiert, weitere Bücher von Link zu lesen, um zu erfahren, ob diese vielleicht raffinierter sind.

Mittlerweile ist das Buch neu aufgelegt worden. Nicht mehr mit mit den roten Schühchen auf dem Cover, wie meine Version, sondern mit einem weißen, dennoch ohne ein Bild, das irgendeinen Bezug zum Inhalt hätte.

9783442377473_Cover

Autorin: Charlotte Link

Titel: Der Verehrer

Kriminalroman

Spiegel-Bestseller

Verlag: Blanvalet, September 2011

ISBN: 978-3-442-37747-3

512 Seiten

Blick ins Buch

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